Geschützt: Die unterschiedliche Motivation als Ursache für Konflikte

A. Konflikte mit der Motivation eines Leiters als Ursache

Fallbeispiel: Ihr habt eine Vorbereitungsversammlung und müsst auf einen Leiter warten, der, wie immer, unpünktlich ist und wenn er dann ankommt, nicht bei der Sache ist. 

Aus diesem Fallbeispiel ergeben sich für euch Fragen, die ihr euch vorab stellen solltet:

  1. Was bewegt mich eigentlich dazu, Leiter zu sein?
  2. Wie kann ich meine Leiterkollegen motivieren?
  3. Wie kann ich (m)eine Gruppe motivieren?

Was bewegt mich eigentlich dazu Leiter zu sein?

Die Motivation = die Gesamtheit der Beweggründe, Einflüsse, die eine Entscheidung, Handlung o.Ä. beeinflussen, zu einer Handlungsweise anregen (Quelle: Duden).

Es gibt drei Arten von Motivation:

a. Persönliche Motivation

= ein Ehrenamtlicher möchte für sich persönlich etwas aus seiner ehrenamtlichen Tätigkeit ziehen. Dazu gehören Erfahrungen sammeln, etwas lernen, etwas verdienen, beschäftigt sein, Talente entwickeln, die ehrenamtliche Tätigkeit für die Jobsuche nutzen, Anerkennung erhalten, u.v.m.

b. Soziale Motivation

= mit Gleichgesinnten zusammenarbeiten, Spaß haben, Freundschaften schließen, nette Leute kennen lernen, Gruppenatmosphäre erleben, u.v.m.

c. Idealistische Motivation 

= sich für Ideale einsetzen und diese verwirklichen, etwas für andere machen, an einem Prozess teilnehmen, zu etwas beitragen, Konflikte lösen, die Welt verbessern, u.v.m.

Fazit: Wenn du dir die oben gestellte Frage „Was bewegt mich eigentlich dazu Leiter zu sein?“ beantwortet hast, dann wirst du merken, dass du dich in eine oder in mehreren der drei Kategorien von Motivation wiederfindest.

Wenn sich ein Kind oder ein Jugendlicher in den Jugendorganisationen bzw. in der Jugendarbeit engagiert, dann findet er sich ebenfalls in eine oder in mehreren der drei Kategorien wieder. Überwiegt eine Kategorie der Motivation, so kann das zu Unstimmigkeiten führen. Es kann sein, dass die Person die Lust verliert. Es kann aber auch sein, dass sich ein Staff über einen Leiter ärgert, der nur aus persönlichen Motivationen (z.B. nur zum Trinken) zur Jugendgruppe geht. Das bedeutet also, dass es sehr wichtig ist, dass ein Gleichgewicht gefunden wird. Es soll Spaß machen, aber auch einen Sinn ergeben.

Wie kann ich meine Leiterkollegen motivieren? Wie motiviere ich (m)eine Gruppe?

Damit du jemanden oder eine Gruppe motivieren kannst, musst du erst einmal selber motiviert sein. Das klingt einleuchtend, aber oft funktionieren Gruppen nicht richtig, weil die Leiter selber nicht motiviert sind. Was kann ich also konkret tun? Ein Patentrezept gibt es natürlich nicht. Vieles hängt mit der  Erfahrung zusammen und wird sich auch mit der Zeit entwickeln. Dennoch geben wir dir einige Tipps mit auf den Weg:

  • Gib positives Feedback: z.B. ein Lob, ein Dankeschön oder ein „gut gemacht“ kann sehr motivierend sein, wenn es ernst gemeint ist.
  • Sei ein Vorbild: Wenn du andere motivieren willst, musst du selber motiviert sein. Kinder und Jugendliche schauen sehr genau hin!
  • Baue Veränderung ein: Die gleichen Spiele, auch wenn sie zuerst gefallen, können mit der Zeit demotivierend oder langweilig sein. Es gibt den Spruch „Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist“. Das heißt: Lass dir neue Spiele einfallen und spiele sie mit deinen Kindern oder Jugendlichen. Dann sind sie wieder motiviert, zu kommen. Das ursprünglich tolle Spiel könnt ihr im Laufe der Zeit wieder einbauen, aber aber dann kann es als Überraschung oder als Belohnung eingesetzt werden.
  • Nehme Emotionen wahr und sprich sie an: Reagiere auf die jeweilige Stimmung innerhalb der Gruppe, begegne jedem persönlich. Die Gruppe muss lernen, mit Emotionen umgehen zu können. Das fördert den Zusammenhalt der Gruppe in sich und verstärkt die Bindung zu dir als Gruppenleiter. Zudem zeigst du Verbindlichkeit und Nöte. Ängste und Bedürfnisse des Einzelnen lassen dich nicht einfach kalt. Das merken deine Kinder bzw. Jugendlichen.
  • Setze der Gruppe Ziele, überfordere sie jedoch nicht: Es gibt Gruppen, die noch ganz neu sind und sich erst entwickeln müssen. Manch andere Gruppen existieren schon seit Jahren. Die Gruppe muss sich jeweils finden und gemeinsam wachsen. Passe daher die Motivation an die Gruppensituation bzw. an die Phase an.
  • Je höher der Nutzen, je klarer das Ziel – desto höher die Motivation: Ein Wettkampfabend lässt sich leichter durchführen, wenn für den Sieger ein Preis winkt. Warum sich ansonsten anstrengen? Eine Wanderfreizeit ohne genau festgelegte Übernachtungsplätze ist vielleicht für den ein oder anderen auch motivierender, weil das Abenteuer lockt.
  • Zeige eine klare Linie und Struktur: Fasse Ergebnisse zusammen und mache dadurch die Linie und Struktur deutlich. Wenn schlussendlich keiner verstanden hat, um was es geht, dann fehlt die Motivation etwas zu tun oder nochmals wiederzukehren.
  • Delegiere Aufgaben, übertrage Verantwortung: Berücksichtige deine Kinder bzw. Jugendlichen bei der Planung und Durchführung eines Spiels. Vielleicht lassen sich die etwas älteren Teilnehmer auch als Stationenhelfer einsetzen. Das sind wichtige Erfahrungen und die Teilnehmer erleben plötzlich einen Rollenwechsel. Ein demotivierter Teilnehmer kann so plötzlich motiviert werden.
  • Klare Regeln: Klare Regeln (z.B. Abmeldung beim Hauptleiter) sind motivierend. Unklare Regeln oder gar keine sind demotivierend, vor allem in den Fällen, wenn anschließend eine unerwartete oder ungerecht empfundene Reaktion erfolgt.
  • Sprich Probleme an: Höre zu, bevor du antwortest, ist dabei wichtig.