Geschützt: Die Eigenschaften der Kinder bzw. Jugendlichen als Konfliktgrund

B. Umgang mit schwierigen, wilden oder sehr aktiven Kindern

Fallbeispiel 1: Du willst eine Aktivität erklären, doch die Kinder hören dir nicht zu. Zwei hänseln einen Dritten.

Wie erhalte ich die Aufmerksamkeit bei Kindern?

  • Gib Strukturen vor:

Kinder müssen wissen, was sie erwartet. Also ist es wesentlich, klar aufzuzählen, was zu tun ist und keine allgemeinen Anweisungen zu geben, wie z.B. „Mach dich fertig fürs Bett“ (z.B. im Lager) oder „Baut schon mal dahinten die Sachen auf“. Dazu gehört auch, das Kind immer wieder auf Neues vorzubereiten, Neues anzukündigen und zu erklären.

  • Führe Rituale ein.
  • Schaffe Ordnung.
  • Schaffe Ruhe:

Versuche eine gewisse Ruhe zu schaffen, indem äußere Reize geringgehalten werden. Vermeide zum Beispiel Stresssituationen in großen Geschäften oder an öffentlichen Plätzen, da die Reize dort zu groß für das Kind sind. Ein anderes Beispiel ist, nicht zu lange am Tisch sitzen bleiben zu müssen.

  • Setze Regeln auf:

Setze maximal 4 bis 5 „heilige“ Regeln auf. Eine dieser Regeln könnte sein: „Wir verletzen niemanden“. Die Kinder sollen wissen, dass diese Regeln für alle gelten und dass die Nichteinhaltung zu einer Konsequenz führt. Als Leiter kannst du auch Modell stehen, z.B. wenn der Leiter während der Gruppenstunde laut sagt: „Ich brülle nicht laut rum, weil eine unserer Regeln ist, dass wir während der Stunde nicht rumbrüllen“.

Erklärung: Das Problem bei zu vielen Regeln ist, dass das Kind permanent hört, was es alles falsch macht. Das Kind entwickelt ein sehr schlechtes Bild von sich selbst, bekommt das Gefühl, ständig alles falsch zu machen oder nichts auf die Reihe zu bekommen. Außerdem kann sich das Kind so viele Regeln gar nicht merken und wird zwangsläufig gegen die Regeln verstoßen.

Wenn die Einhaltung der „heiligen“ Regeln gut klappt, kann langsam eine neue Regel hinzugefügt werden.

  • Reagiere sofort:

Es ist wichtig, sofort zu reagieren, wenn du als Leiter merkt, dass das Kind nervös wird und beginnt, übereifrig zu werden.

  • Spreche keine Drohungen aus, die nicht eingehalten werden.
  • Umgang mit Fehlverhalten des Kindes:

Auf keinen Fall körperliche Konsequenzen!

Kommuniziere mit dem Kind: Beziehe die Aussagen nach dem Fehlverhalten auf die Tat, nicht auf die Person. Aussagen, wie z.B. „Du machst immer alles falsch“, „Du bist …“, sollten absolut vermieden werden. Nutze Formulierungen wie „Dein Verhalten ist nicht in Ordnung!“ oder „Ich bin nicht froh darüber, wie das gerade gelaufen ist“.

Wenn du das Fehlverhalten des Kindes ahndest, dann solltest du ihm erklären, warum du das Kind ahndest. Erkläre dem Kind, gegen welche Regel es verstoßen hat. Dabei bietet sich an, das Kind für eine kurze Zeit in einen Raum zu bringen, der stimulationsarm ist. Wenn es möglich ist, kannst du als Leiter in dieser kurzen Zeit bei dem Kind bleiben. Eine bewährte Daumenregel ist dabei: Auszeit in Minuten = Lebensjahre des Kindes. In der Zeit muss das Kind sich beruhigen, sonst verlängert sich die Auszeit so lange, bis es endlich geschafft hat, die Anzahl Minuten ruhig zu bleiben.

Weitere Möglichkeiten sind z.B. „nachdem das Kind etwas kaputt gemacht hat, muss es den angerichteten Schaden selbst wegräumen“ oder „beim bewussten Verletzen eines anderen Gruppenmitgliedes, diesem etwas Gutes tun“.

  • Siehe körperliche Aktivitäten vor:

Diese müssen zeitlich abgesteckt und begrenzt sein. Sage den Kindern, wie lange getobt werden soll. Am besten arbeitest du mit einer Uhr oder beziehst die Kinder in die Aufgabe, die Zeit einzuhalten, mit ein. Einer der Gruppe kann die Rolle des „Wächters der Zeit“ übernehmen.

  • Beziehe die Kinder mit ein, frage nach ihrer Hilfe, um z.B. etwas aufzubauen.
  • Gib positives Feedback:

Lob die Kinder, gib ihnen Bestätigung. Verteile Gesten der Freundschaft, auch ohne dass unbedingt ein positives Verhalten dem Lob vorausgeht.

WICHTIG: Wende diese Empfehlungen über einen längeren Zeitraum an. Gib nicht zu schnell auf, sollte es nicht funktionieren. Habe Geduld mit deinem Kind und dir selbst. 

Noch einige allgemeine Tipps:

Nähe und Blickkontakt: Geh nah an das Kind ran. Schaue das Kind direkt an. Körperliche Berührungen steigern dabei die Aufmerksamkeit. Achtung: Dabei darf der Erwachsene nicht bedrohlich auf das Kind wirken, denn sonst wird es versuchen, ängstlich aus der Situation zu flüchten.

Laut- und Leisestärke: Wenn du ein Kind anschreist, schaltet es normalerweise „auf Durchzug“. Möglicherweise ist es von dem lauten Tonfall auch so beeindruckt, dass es nicht mehr mitbekommt, was du sagst. Atme erst einmal selbst tief durch, komme runter und flüstere dem Kind dann eventuell sogar ins Ohr. So verliert das Kind vor den anderen Kindern nicht das Gesicht. Außerdem: Wann hört ein Kind aufmerksamer zu, als wenn du ihm etwas ins Ohr flüsterst? Zudem ist grundsätzlich eine entschlossene Körperhaltung sehr wirkungsvoll.

Klarheit und Eindeutigkeit: Nutze kurze, bündige und eindeutige Formulierungen, wie z.B. ein klares „Nein“ statt ein langgezogenes „Neeeiin…“, das als „vielleicht“ verstanden werden kann.

Positive Formulierungen: Verwende Gebote statt Verbote! „Geh nicht auf die Straße…“ wird zu „Geh bitte auf dem Bürgersteig“ oder „Lass das nicht fallen…“ wird zu „Halt das fest!“.

Ermutigung und Herausforderung: Formuliere Aufforderungen als Herausforderungen, wie z.B. „Ich möchte, dass …“, „Es wäre schön, wenn …“, „Ich würde mich freuen, wenn …“.

Aufmerksamkeit verstärkt das Verhalten: In dem du dem Kind Aufmerksamkeit schenkst, förderst du das Verhalten des Kindes. Daher ist es sehr wichtig positives Verhalten durch Lob, Bestätigung und Belohnung zu bestärken und unangemessenes Verhalten (insofern es keine wichtige Grenze überschreitet) zu ignorieren. Wir Menschen tun Dinge nur, wenn sie sich irgendwie lohnen. Bring deinen Kindern also bei, welche Dinge sich lohnen und welche nicht.

 

Fallbeispiel 2: Kinder werden beim heimlichen Alkoholkonsum erwischt.

Unter 16 Jahren ist das ein klarer Regelverstoß. Das solltest du ihnen auch klar machen durch eine angemessene Konsequenz, z.B. durch eine evtl. Kontaktaufnahme mit den Eltern.

  • Wichtig ist die klare Absprache im Vorfeld sowie eine feste Regelung.
  • Auch im Leiterrat sollte es Regeln geben, wie z.B. Lagerkodex, BOB, Richtlinien der Dachorganisation.